Ludwig-Museum in neuer Frische
Mittwoch, den 10. November 2010 um 00:00 Uhr

Die Umgestaltung der Räume und die teils unkonventionell gehängten Bilder sind maßgeblich für den neuen Ausdruck des Museums und für die Neuausrichtung in Bezug auf Internationalität. Nach der elfjährigen Ära der Initiative „Kunst und Kultur Kleines Wiesental“ und „einigen übersprungenen Hürden“ will Marien, der Entdecker und Sammler der 2000 Bilder des expressionistischen Malers, das Museum in Eigenregie weiterführen. Obwohl die versprochenen Zuwendungen privater Donatoren und die Unterstützung der öffentlichen Hand ausbleiben, blickt er bewusst nach vorne und will alle kommunalpolitischen und Eigeninteressen hintanstellen.
Sein Augenmerk richtet der erfahrene Kunstsammler jetzt darauf, dem Ludwig-Museum mehr einen musealen Charakter zu verleihen. Der Augengenuss habe Vorrang vor Quantität. Die Besucher sollen nicht mit Bildern an der
Wand überhäuft werden, und der Fokus auf einzelne Werke möglich sein. „Der Blick muss bei jedem Bild ruhen können, wie es die großen Museen vorgemacht haben“, betont Marien..
Die Vielseitigkeit und internationale Bedeutung des aus Wieslet stammenden Malers Friedrich Ludwig (1895-1970) soll in der Neugestaltung der Räume zur Geltung kommen. Angestrebt wird eine neue Sicht auf den Künstler und sein Werk im kunsthistorischen Umfeld. Immerhin stand der Maler sogar in einem regen Schriftverkehr mit Picasso. Die Räume wurden thematisch schön gestaltet: Da gibt es einen Raum der Farben, einen der Großformate, einen mit Rötelzeichnungen, vielen Porträts und Akten, einen anderen mit Ansichten aus Ludwigs Amsterdamer und Pariser Zeit, einen weiteren mit sehr frühen Arbeiten, darunter ein Bild im Stil des Kubismus. Ein Zimmer füllen Ludwigs geliebte Berge, Motive aus seiner bayrischen Zeit, die ihn in eine Reihe stellen mit berühmten Expressionisten wie Kirchner, Macke und Marc. Auch den visionären Bildern wird im oberen Stock des Pfarrhauses ausreichend Platz eingeräumt, ebenso wie Heimatkunst (Wiesleter Landschaften) und Familienporträts. Zu den 148 ausgestellten Arbeiten kommen noch 23 teils verkäufliche Kommissionsbilder eines Münchner Kunstsammlers. Eine schöne Idee ist es auch, jedes Vierteljahr ein kleines Ludwig-Bild im Museum zu verlosen.
Übrigens nimmt Marien keinen Eintritt, dafür sucht er Gönner und Sponsoren, denen daran gelegen ist, dass das Museum erhalten bleibt. Tatkräftig unterstützt wird er von Berthold Bausch, der sich beim Hängen der Gemälde und
Zeichnungen als „Bildarchitekt“ betätigt hat und sonntags den Museumsdienst versieht, sowie von Hans Viardot. Die Drei machen im Wechsel die Führungen. Die Zeichen stehen also gut für diese private Initiative, das Museum
weiterleben zu lassen.
Südkurier / Bericht und Foto: Jürgen Scharf



